Jahrestagung Kommission Psychoanalytische Pädagogik der DGfE, Mainz

Forum Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung und Psychoanalytische Pädagogik

Wie wird Erinnerung (re)konstruiert? Methodische/methodologische Zugänge zu Lebensgeschichten, Bildungsgeschichten und Forschungsgeschichten Freitag / Samstag 26. - 27. Oktober 2007 Johannes Gutenberg Universität Mainz, Pädagogisches Institut

Call for Paper

Im Anschluss an die beiden vorausgegangenen Tagungen zur Funktion und Relevanz von Erinnerungen und Erinnerungsarbeit in psychoanalytischen und biographischen Perspektiven konzentrieren wir uns in diesem Jahr ganz auf den methodisch/methodologischen Zugang zu (Re)konstruktionen von Erinnerungen: Erinnerungen, die individuelle Lebensgeschichten formen, Bildungsgeschichten ausmachen und den dazugehörenden Forschungsprozess, die jeweilige Forschungsgeschichte, prägen. Dabei gelten in den unterschiedlichen Schulen unterschiedliche fachspezifische Traditionen, methodische Regeln, erkenntnistheoretisch verankerte Verfahren, um Erkenntnisse zu gewinnen und (neues) Wissen zu generieren. Die diesjährige Tagung bietet Raum, sich methodischen/methodologischen Standpunkten in der Diskussion zu vergewissern, Kontroversen zu diskutieren und spezifische Zugänge zu klären: Wie werden warum welche Erkenntnisse (re)konstruiert? Die Rekonstruktion von Lebensgeschichten ist das zentrale Anliegen der Biographieforschung, die mit diversen Zugängen Erkenntnisse über die subjektive Aneignung gesellschaftlicher Phänomene, über biographische Verlaufsformen, Deutungsmuster oder Identitätsformationen hervorgebracht hat. Methodisch-methodologische Kontroversen liegen bspw. in der Frage der Unterschiede von rekonstruktiven und theoriegeleiteten Zugängen oder in der Frage, wie sich in Erzählungen sinnsetzende Bedeutung konstituiert: in der Aktualität oder Genese, der Struktur oder Praxis, manifest oder latent, sprachlich oder performativ usw.? Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung und psychoanalytische Pädagogik befassen sich auch mit Bildungsgeschichten. Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Lern- und Bildungsprozessen über die Lebenszeit und von pädagogischen Interaktionszusammenhängen. Auch hier gilt es, sich über grundlegende methodische und methodologische Fragen zu verständigen, bspw.: Wie lassen sich Lern- und Bildungsprozesse im empirischen Material erfassen und wie kann Lernvermögen und Bildungszuwachs gemessen werden? Welche Begriffe von Lernen, Bildung, Erfahrung liegen zugrunde und steuern eine Theoriegenerierung in diesem Zusammenhang? Die (Re)konstruktion von Lebens- und Bildungsgeschichten geht einher mit einer je spezifischen Forschungsgeschichte, in der sich ein erkennendes Subjekt in Beziehung zu ausgewählten Erkenntnisobjekten setzt mit dem erklärten Ziel Erkenntnisse zu gewinnen, die sozialwissenschaftlichen Gütekriterien entsprechen. Dabei ist das erkennende Subjekt genauso wenig wie das zu erkennende Objekt eine leere, hohle, neutralisierte Form, sondern gefüllt mit spezifischen, lebensweltlich und durch eine bestimmte Wissenschaftssozialisation geprägten Denk-Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata. Von der Entwicklung einer Forschungsfrage, über die Wahl der Methode, die Form der Gesprächsführung oder der teilnehmende/teilhabende Beobachtung bis hin zur Auswertung und Interpretation des Datenmaterials beginnt ein produktives Wechselspiel zwischen Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt, das mit der Darstellung des Erkenntnisgewinns seinen vorläufigen Abschluss findet. Zu fragen ist bspw.: Welchen methodisch/methodologischen Prämissen folgt die (Re)konstruktion und (Re)Flexion der Subjekthaftigkeit und der Standort - wie Perspektivengebundenheit von Erkenntnis?

Alle, die in diesem Bereich der methodischen und / oder methodologischen Diskussion einen Beitrag leisten möchten, sind herzlich eingeladen, ihr Thema und eine kurze Erläuterung (max. 2000 Zeichen) bis zum 15. Juni 2007 an heide.von.felden@uni-mainz.de zu schicken. Das Vorbereitungsteam: Prof. Dr. Heide von Felden Prof. Dr. Regina Klein